Gestern Abend, kurz nach 20 Uhr, ging wieder ein Livestream aus Piła an — und die ersten Minuten gehörten einem Mikrofon, das zu leise eingestellt war. Danach wurde es konkret. Jarek Ewertowski hatte für diese Ausgabe des Ask Me Anything mitgebracht, worauf die Community seit Wochen wartet: Termine für Wave 2, Preisschilder und fünf Modelle, die er nacheinander vor die Kamera hielt.
Der erste Satz war allerdings eine Bremse. Sein Kollege Shimon musste ihn vorlesen:
„Wave 2 pre-orders are not starting today. We aim to open pre-orders at the end of August, 31st, with a street date of September 21st, after all Wave 1 pre-orders have been delivered.“
Der ursprünglich für Ende Juni angepeilte Vorbestellstart ist damit vom Tisch. Archon koppelt Wave 2 an die Auslieferung der ersten Welle — und die lief bis in diese Woche hinein. Kein eleganter Plan. Aber ein ehrlicher.
Drei Wochen Vorbestellfenster, und das mit Absicht
Zwischen dem 31. August und dem Street Date am 21. September liegen keine drei Wochen. Eng, ja — nur ist das diesmal kein Versehen. Ewertowski nannte den Grund unumwunden: Ein kurzes Fenster bedeutet weniger Vorbestellungen, und genau das ist erwünscht. „We’re fine with that“, sagte er. Der Bestand soll im Handel landen, damit Läden nachbestellen können, statt dass wieder alles in einer monatelangen Warteschlange verschwindet. Wer die Kapazitätsprobleme der ersten Welle mitverfolgt hat, erkennt die Lektion dahinter.
Parallel wandert das Grundspiel in den stationären Handel, Street Date dafür ist der 28. August. Europa steht beim Händlerversand ganz hinten in der Reihe, weil die Container zuerst über den Atlantik mussten — Endkunden hierzulande waren dafür als Erste dran.
Eine Anmerkung zur Sorgfalt, weil sie nötig ist: Ewertowski verhaspelte sich im Stream mehrfach bei den Daten, einmal fiel ein „25. September“, an anderer Stelle sogar ein „31. September“. Verbindlich ist der vorgelesene Disclaimer. Und über allem steht der Standardvorbehalt: vorläufig, Änderungen möglich, finale Freigabe beim Lizenzgeber.
Fünf Kisten auf dem Tisch
Den Anfang machte der Immortal. Ein Modell pro Box, 100-mm-Base, dazu Klarsicht-Bauteile für die Schilde, die man kleben kann — aber nicht muss. Die Beine sind posierbar, das Modell lässt sich komplett drehen, alles auf Push-Fit ausgelegt. Der Plasmaschuss mit dem schwarzen Kern, über den die Leute im Chat sofort herfielen, ist übrigens nicht bemalt, sondern ein einteiliges Spritzguss-Element. Kleine Ansage in Richtung Konkurrenz, und die kam an.
Zeratul ist der einzige Held dieser Welle. Er bringt eine neue Taktik- und eine neue Fraktionskarte mit, dazu eine eigene Deployment-Option und eine Mission, die nur ihm gehört. In der Box liegt zusätzlich eine neue Variante des Adept — das ist Archons erklärtes Muster für künftige Helden: Jeder Held verschiebt das Meta, und die mitgelieferten Einheiten tun es gleich mit. Wer den Promo-Zeratul von Essen besitzt, muss nichts nachkaufen; die Regeln sind identisch, das alte Modell bleibt schlicht exklusiver. Zwei Sprues, normal und klar, und — Lehrgeld aus der ersten Welle — zwei Bases, weil sich ein Klarsicht-Modell auf einer Klarsicht-Base kaum vernünftig zusammenbauen lässt.
Der Siege Tank ist das Stück, an dem sich die Preisdiskussion entzündete. 150-mm-Base, zwei Bauvarianten (Fahrmodus oder Belagerungsmodus, man muss sich entscheiden), ein kleiner Panzer-Token zeigt den Modus auf dem Tisch an, und die Schablone für den Sperrfeuer-Schuss kommt als Klarsicht-Element statt als flache Pappe. Der Turm sitzt normalerweise ungeklebt auf einem Steckelement und bleibt drehbar. Als Ewertowski erzählte, dass ein Bemaler das Modell mit 71 Magneten vollständig umbaubar gemacht hat, kam der Nachsatz sofort: bitte nicht nachmachen. Kauft lieber zwei. Der Panzer liegt bei rund 70 Dollar UVP — bei zehn bis zwanzig Prozent Händlerrabatt landet man laut Ewertowski eher bei 50 bis 60.
Für die Zerg kommt der Ravager, 59 Dollar, zwei Modelle in der Box, dazu Token für die Ätzgalle und zum Eingraben. Zwei Bauvarianten, veränderbare Beinstellung, ein zu öffnendes Maul. Taktisch hält Ewertowski ihn für das interessanteste Stück der Welle, speziell gegen Marine-Medic-Verbände. Der Grund steckt in einer Regel, die er nebenbei fallen ließ: Roaches lassen sich während der Partie in Ravager morphen. Man kann sie also im Rucksack lassen und erst zeigen, wenn es weh tut.
Und dann noch etwas, das keine Miniatur ist: die Lost-Temple-Rampe für 39 Dollar. Sieben Sprues, große Schachtel, das erste Geländestück der Größe 3 überhaupt. Playtester haben genau danach gefragt, Turnierorganisatoren ebenfalls — weitere Sets sind angekündigt. Ein unspektakuläres Produkt, das dem Spiel auf lange Sicht vermutlich mehr bringt als der dritte Held.
Startersets ohne Helden
Die drei Fraktions-Startersets lösen die Founder’s Edition ab und sind auf jeweils rund 1.000 Punkte ausgelegt. Das Protoss-Set kostet 129 Dollar und enthält Zealots, Stalker und Gefolge — Artanis liegt anders als früher nicht mehr bei, und mit ihm fällt auch der Pylon weg, der an seine Heldenbox gekoppelt ist. Zerg und Terraner liegen jeweils bei 119 Dollar. Bei den Zerg ersetzt eine Ladung Hydralisken die früher enthaltene Kerrigan (Queen, Zerglinge, Roaches und ein kleiner Raptor-Trupp bleiben), bei den Terranern gibt es Marines, Medics, Marauder und einen Goliath. Der niedrigere Preis spiegelt schlicht den schmaleren Inhalt.
Alle Angaben sind UVP in US-Dollar, das Regelbuch läuft separat. Was der eigene Händler daraus macht, ist seine Sache — und Ewertowski wurde nicht müde, genau dorthin zu verweisen: „Without them, there is no hobby.“ Ein CEO, der im eigenen Stream vom eigenen Shop wegschickt, ist selten genug, dass es auffällt.
Was sonst noch hängen blieb
Die Logistik-Folien vor dem Miniaturenteil waren zäh, aber sie erklären einiges. Archon übernimmt für US-Kunden die Fracht ab EU, den etwa 30 Prozent teureren Inlandsversand und die Zollabgaben — Preis dafür sind rund sechs Wochen extra, weil erst 70 Paletten zusammenkommen müssen, bevor ein Container läuft. Australien hängt weiter hinterher; Luftfracht würde 150 bis 200 Dollar pro Paket kosten, künftig soll ein lokaler Distributor übernehmen statt der Versand aus Polen. Für Großbritannien hat Archon inzwischen eine eigene Gesellschaft, Wave 2 wird von dort inländisch verschickt.
Interessanter für die Planung sind zwei Sätze zum Ausblick: Wave 3 zielt als Street Date auf die Spiel in Essen, und das Kampagnenbuch rutscht auf Jahresende oder Anfang 2027. Ein Archon als Jubiläumsmodell zum ersten Geburtstag des Spiels steht auf Ewertowskis Wunschliste, größere Geräte wie ein Warhawk aus der StarCraft-II-Kampagne sind in Planung — in einer Größenordnung, die er mit „massiv“ umschrieb.
Taktische Einschätzung: Die Verschiebung um gut zwei Monate ist ärgerlich, das kurze Vorbestellfenster dagegen die richtige Entscheidung. Wer schon einmal drei Monate auf eine Zusage gewartet hat, weiß warum. Die Preise bewegen sich im erwartbaren Rahmen für ein Lizenzprodukt dieser Größe — der Siege Tank wird die Gemüter trotzdem beschäftigen. Vor dem Kauf kommen ohnehin die Taktik-Blogposts, die Archon vor dem Vorbestellstart veröffentlichen will, samt Karten und Regeln zum Release.
Bleibt eine Frage an euch, Kommandanten: Rampe oder Ravager? Wer nur eine Box aus dieser Welle mitnimmt, welche wird es?
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Quelle: Ask Me Anything | StarCraft: Tabletop Miniatures Game, 30.07.2026 (Archon Studio) · Wargamer über die Wargamer-Direct-Premiere · StarCraft TMG — offizielle News