Die ersten Pakete der Founder’s Edition erreichen gerade Tabletops weltweit — und mit ihnen rollt eine Welle von Reviews durch die Hobby-Szene, die selbst hartgesottene Warhammer-Veteranen aufhorchen lässt. Allen voran: Tale of Painters, eines der renommiertesten Hobby-Magazine im englischsprachigen Raum, hat sich das Starter Set vorgenommen.
Deren Urteil? Kurz und direkt: „The hottest thing in the hobby right now.“
Wenn der Siege Tank gegen Skaventide antritt
Tale of Painters stellt in ihrem ausführlichen Review eine Frage, die vor einem Jahr noch absurd geklungen hätte — kann ein Nicht-GW-Produkt mit den Launch-Boxen von Games Workshop mithalten? Die Antwort fällt eindeutig aus. Die Founder’s Edition „holds its own easily against major Games Workshop launch boxes like Skaventide or Armageddon“, so das Fazit der Reviewer.
Konkret loben sie drei Dinge. Erstens: die farbigen Kunststoff-Miniaturen, die Archon Studio in blauem (Terran) und lilafarbenem (Zerg) Hard Plastic liefert. Archon seien „masters of coloured hard plastic injection moulding“. Zweitens: die transparenten Effektteile — Psi-Klingen, Plasma-Projektile, Schildeffekte — die das Review als „genuine innovation in the industry“ bezeichnet. Und drittens: der Gesamtwert der Box mit zwei kompletten Armeen, Geländestücken aus Plastik und einer Stoff-Spielmatte (etwas, das GW sich mal abschauen könnte).
Der Preis? Etwa 169 Pfund beziehungsweise 199 Euro — bei Partner-Stores teils günstiger.
Transparente Teile und ein fehlendes Regelbuch
Nicht alles ist perfekt. Das Review merkt an, dass kein gedrucktes Regelbuch beiliegt — die Regeln gibt’s nur digital als kostenlosen Download. Für Tabletop-Puristen ein Minus, für alle anderen irrelevant. Auch die Balance zwischen den beiden Starter-Armeen sei nicht hundertprozentig ausgeglichen, was bei einem asymmetrischen Drei-Fraktionen-Spiel allerdings zu erwarten war.
Meine Lagebeurteilung: Das fehlende Regelbuch ist kein Dealbreaker. Archon Studio spart sich Druckkosten und kann stattdessen häufiger aktualisieren — taktisch sinnvoll. Und wer ehrlich ist: Wann hat zuletzt jemand ein GW-Regelbuch gelesen statt die App zu nutzen?
Was die transparenten Teile angeht — die sind der heimliche Star der Box. Protoss-Spieler bekommen leuchtende Psi-Klingen für ihre Zealots, und die Effektteile verleihen dem Spielfeld eine Optik, die kein anderes Miniaturenspiel aktuell bietet. Punkt.
Was die breitere Szene sagt
Tale of Painters steht nicht allein. No Dice No Glory hat bereits Mitte April einen detaillierten Protoss First Look veröffentlicht und die taktische Tiefe der Fraktion hervorgehoben — weniger Modelle als Terran oder Zerg, dafür jede Einheit ein Kraftpaket mit eigener Spielidentität. Zealots für aggressive Nahkampf-Rushes, Stalker mit Teleportation für Hit-and-Run, Sentries mit Force Fields statt klassischer Heilung.
Auf YouTube sieht es ähnlich aus. Richard Siegler und Jack Harpster (ja, der Competitive-40K-Siegler) haben ein ausführliches Unboxing plus Rules Review produziert. SETGO, die als Playtester für Archon Studio gearbeitet haben, liefern Insider-Einblicke. Und ein französischer Kanal hat ein 20-minütiges Detail-Unboxing mit Nahaufnahmen jeder Komponente hochgeladen.
Die Gamefound-Zahlen untermauern den Trend: Über 6.600 Backer, mehr als 3,3 Millionen Dollar eingesammelt. Archon Studio hat nach eigener Aussage drei zusätzliche Spritzgussmaschinen angeschafft, um die Nachfrage zu bedienen — 300.000 einzelne Boxen stehen in der Produktion, davon 95.000 Starter Sets.
Der GW-Elefant im Raum
Reden wir über das, worüber alle reden. Kann StarCraft TMG Games Workshop echte Konkurrenz machen? Tale of Painters formuliert es diplomatisch: „a powerhouse IP like Starcraft behind it, pricing that sits a little below the market leader, and free rules“ — alle Zutaten für eine Erfolgsgeschichte seien vorhanden.
Diplomatisch gesagt. Weniger diplomatisch: Archon Studio liefert mit der Founder’s Edition ein Komplettpaket, das GW in dieser Form seit Jahren nicht mehr angeboten hat. Zwei spielbare Armeen, Gelände, Spielmatte, kein 65-Euro-Regelbuch obendrauf. Dazu eine IP, die Millionen von Spielern emotional bindet — und kostenlose Regeln, die die Einstiegshürde auf null drücken.
Wird das reichen, um Warhammer den Thron streitig zu machen? Wahrscheinlich nicht, dafür ist das GW-Ökosystem zu tief verankert. Aber darum geht es auch nicht. StarCraft TMG muss kein Warhammer-Killer sein — es muss ein verdammt gutes Spiel sein. Und nach allem, was die Reviews zeigen, ist genau das der Fall.
Taktische Einschätzung: Mit Wave 2 im Juni (Siege Tank, Ravager, Immortal, Zeratul), Wave 3 im August (High Templar, Tassadar, Defiler, Nova, Zagara plus neues Gelände) und der Ankündigung, das Spiel bis mindestens 2035 zu unterstützen, hat Archon Studio alle Voraussetzungen geschaffen, um langfristig ein zweites großes Standbein im Miniaturenmarkt aufzubauen.
Wer noch zögert: Die Founder’s Edition wird es nicht ewig geben.
Quellen:
Tale of Painters — Founder’s Edition Review (4. Juni 2026) · No Dice No Glory — Protoss First Look (16. April 2026) · StarCraft TMG — FAQ-Update (30. April 2026) · Gamefound Pre-order Kampagne
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