Lagebriefing aus der Malkammer, Commander. Neun Tage nach seinem Showcase hat Stahly von Tale of Painters am 10. September geliefert, was er dort in Aussicht gestellt hatte: ein vollständiges Tutorial für die Terran Marines aus dem StarCraft Tabletop Miniatures Game. Farbschema ist das Box-Art-Blau von Raynor’s Raiders, Werkzeug der Wahl die Airbrush. Der eigentliche Aufklärungsgewinn steckt allerdings im Bonusteil über die transparenten Effektteile.
Warum euch das interessieren sollte? Weil genau diese klaren Orange-Teile (Mündungsfeuer und Kristalle) das Merkmal sind, mit dem Archon die Marines von jeder anderen Sci-Fi-Infanterie absetzt. Blanker Kunststoff nimmt Farbe aber schlecht an. Wer einfach drauflos lasiert, bekommt Ränder und abperlende Washes.
Satin-Lack als Grundierung
Der Kniff ist simpel, aber man kommt nicht von allein drauf. Stahly sprüht die Klarsichtteile zuerst mit Satin-Lack ein, am liebsten per Airbrush. Wörtlich: „To paint these while maintaining their transparency, I recommend spraying them with a coat of satin varnish (preferably with an airbrush).“ Der Lack trübt den Kunststoff nicht ein und gibt den folgenden Farbschichten trotzdem Halt.
Ab da wird lasiert. Das Mündungsfeuer bekommt einen Wash mit Fuegan Orange, dann GSW Transparent Orange Ink in der Mitte, eine Mischung aus Transparent Orange und Yellow Ink für ein warmes Gelb in den Vertiefungen, und zum Schluss verdünnte weiße Tinte (GSW OSL White Ink mit Scale 75 Dispel Magic Medium) rund um die Mündung. Übergänge glättet Fluor Yellow-Orange. Bei den Kristallen läuft es ähnlich: Satin-Lack, Fuegan Orange, dann Gryph-hound Orange mit Medium in die Vertiefungen, dazu ein leichtes Drybrush mit Vallejo TMM Ancient Copper Light für den Schimmer.
Wie das aussieht, hatte er schon am 1. September gezeigt. Damals schrieb er über die Teile ab Werk: „The transparent plastic effects parts already look pretty cool straight out of the box, but I wanted to push them further.“ Mit der Anleitung könnt ihr das jetzt nachbauen.
Airbrush und Enamel-Wash tragen die Last
Die Rüstung selbst geht schneller, als der Farbstapel am Ende des Beitrags vermuten lässt. Schwarze Grundierung, GSW Imperium Blue Air als Basis, Summersea Blue und Zima Blue Air als zwei Stufen Highlights von oben. Ohne Airbrush? Stahly liefert die Alternative gleich mit: Make-up-Schwamm, leicht angefeuchtet, in mehreren dünnen Lagen getupft (mit den dickeren Maxx-Formula-Farben, nicht den vorverdünnten Airbrush-Varianten).
Dann wird es Modellbau. Glanzlack über das ganze Modell, schwarzer Enamel-Wash drüber, nach dem Trocknen mit Wattestäbchen und Verdünner den Überschuss abnehmen, bis nur die Vertiefungen dunkel bleiben. Wer keine Enamels im Regal hat: Panel Liner oder verdünnte Ölfarbe tun laut Stahly dasselbe. Anschließend Mattlack, Drybrush mit VGC Black für Abnutzung, Schwamm-Chipping an den Kanten, Kantenlichter. Für fast jede Farbe steht die Citadel-Entsprechung in Klammern (Kantor Blue, Caledor Sky, Lothern Blue und so weiter). Niemand muss also das komplette Green-Stuff-World-Sortiment nachkaufen.
Stahly selbst zum Aufwand: „The whole process is also relatively quick, as the airbrush and the enamel wash do the heavy lifting.“ Effektteile und OSL erklärt er ausdrücklich zur Kür.
Apropos OSL. Für das Leuchten auf der Rüstung nimmt er die Effektteile wieder ab, sprüht GSW Go Mango Air auf Gewehrmündung und Schulterpanzer, Flaming Orange rund um den Kristall, und legt dann dünne Schichten Fluor Yellow-Orange beziehungsweise Fluor Orange darüber. Empfohlene Düse: 0,2 mm. Zum Schluss bekommen die Klarsichtteile noch eine Schicht Satin-Lack (kein Mattlack, der würde sie trüben) und werden mit Sekundenkleber an der Mündung und Weißleim auf der Base befestigt.
Zwei Guides, zwei Schulen
Damit liegt der zweite große Marine-Guide innerhalb weniger Monate vor. Goonhammer hatte im Mai mit seinem „How to Paint Everything“ vorgelegt (unser Bericht dazu), damals mit volumetrischen Metallics und einem Türkis abseits des Kanons. Tale of Painters geht den anderen Weg: das Box-Art-Blau, das jeder Backer vom Karton kennt, plus Techniken aus dem Plastikmodellbau, die am Tabletop-Tisch seltener auftauchen. Enamel-Wash über Glanzlack ist bei Panzerbauern Standard. Bei Miniaturenmalern eher exotisch.
Transparenzhinweis, weil er dazugehört: Das Modell hat Archon Studio gestellt, was Stahly im Showcase offen angibt („Thoughts and opinions are our own“). Sein Review der Founders Edition im Juni lag bei 9,0 von 10. Die Hydralisken aus derselben Box hat Kollege whiskerpaints übernommen, sein Showcase dazu erschien im Juli.
Taktische Einschätzung: Wer seine Marines aus der Founders Edition oder dem neuen Terran Starter Set noch grau herumstehen hat, findet hier den bisher besten Einstieg für das kanonische Schema. Und selbst wenn ihr den Rest komplett anders malt, nehmt eines mit: Satin-Lack auf die Klarsichtteile, bevor irgendeine Farbe drankommt. Das entscheidet, ob am Ende ein Mündungsfeuer leuchtet oder ein oranger Klumpen an der Waffe hängt.
Habt ihr eure Effektteile bisher übermalt oder lieber unangetastet gelassen? Meldet euch in den Kommentaren, Kommandanten.
Quellen:
Tale of Painters: Tutorial: How to paint Starcraft Marines (and their transparent effect pieces)
Tale of Painters: Terran Marine showcase: giving Starcraft TMG’s clear plastic parts some real punch
Tale of Painters: Starcraft TMG Starter Set Founder’s Edition review
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