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STARCRAFT TMG: DIE PRODOS-AKTE HOLT ARCHON EIN

Am 30. Juli ging ein Video online, das seitdem in fast jedem größeren Tabletop-Forum verlinkt wird. Titel: „Investigating Archon Studios hidden past". Es geht darin nicht um das StarCraft TMG, sondern um die Firma dahinter und um die Frage, was…

StarCraft TMG - offizielles Key Art des Tabletop Miniatures Game von Archon Studio (Quelle: https://starcraft-tmg.com/news)
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Am 30. Juli ging ein Video online, das seitdem in fast jedem größeren Tabletop-Forum verlinkt wird. Titel: „Investigating Archon Studios hidden past“. Es geht darin nicht um das StarCraft TMG, sondern um die Firma dahinter und um die Frage, was aus einer Kickstarter-Kampagne von 2013 geworden ist.

Der Zeitpunkt sitzt ungünstig. Archon hatte gerade den Versand der ersten Vorbestellwelle abgeschlossen, nach vier Monaten Dauerbetrieb, und CEO Jarek Ewertowski wollte das letzte Paket persönlich zukleben. Eigentlich der Moment für eine Ehrenrunde. Stattdessen redet die Community jetzt über Alien vs. Predator.

Was in den Akten steht

Der dokumentierte, nachprüfbare Teil ist die Hälfte, die niemand bestreitet.

Prodos Games, ein britisch-polnischer Miniaturenhersteller, finanzierte im Februar 2013 über Kickstarter das Spiel Mutant Chronicles: Warzone Resurrection. 962 Unterstützer, über 160.000 Pfund, gut das Viereinhalbfache des Ziels. Neun Monate später, im November desselben Jahres, legte dasselbe Studio mit Alien vs. Predator: The Hunt Begins nach. Diese Kampagne lief völlig aus dem Ruder: 379.141 Pfund von 2.094 Unterstützern, bei einem Finanzierungsziel von 35.000 Pfund. 1.083 Prozent. Der durchschnittliche Beitrag lag bei 181 Pfund.

Beide Kampagnen wurden nie sauber zu Ende geliefert. In den Kommentarspalten und Foren der folgenden Jahre sammelten sich Berichte von Unterstützern, die Teile ihrer Bestellung nie erhielten, während dieselben Miniaturen im Einzelhandel auftauchten. Warzone wurde 2018 eingestellt, offiziell weil man sich mit dem Lizenzgeber Cabinet Entertainment nicht einigen konnte. Die AvP-Lizenz lief in der Disney-Übernahme von Fox aus.

Und Archon Studio? Das Studio entstand Ende 2016 in Piła als Produktionssparte von Prodos Games. Diesen Teil der Geschichte haben wir hier vor Monaten schon selbst aufgeschrieben, damals als Beleg für Kompetenz: eigene Spritzgussmaschinen, HIPS statt Resin, Unabhängigkeit von chinesischen Zulieferern. Dass diese Fabrik eine Vorgeschichte hat, stand da nicht.

Wo die Behauptung anfängt

Ab hier reden wir über das, was das Video vorträgt und was SpikeyBits am 30. Juli zusammenfasste. Wichtig: Das sind Vorwürfe, keine gerichtsfesten Feststellungen, und ich kenne keine unabhängige Prüfung der Finanzflüsse.

Der Kern der Darstellung: Archon sei von Angehörigen der Prodos-Geschäftsführung gegründet worden, dieselbe Führung habe später direkt übernommen, und beide Firmen hätten faktisch als ein Betrieb unter zwei Namen funktioniert. Das Geld der AvP-Kampagne habe eine Lücke aus der Warzone-Kampagne gestopft und gleichzeitig den Aufbau der polnischen Fertigung mitfinanziert. Jene Fertigung, die später als eigenständiger, werthaltiger Betrieb weiterlebte, während beim Verkauf von Prodos laut Video über 1.700 Unterstützer noch auf Teile ihrer Bestellung warteten und mehr als 300 gar nichts bekommen hatten.

Auf eine Zeile eingedampft: Backer-Geld habe eine Fabrik gebaut, die den Backern nie gehörte.

Ein Detail dieser Darstellung passt allerdings nicht zu dem, was sonst auffindbar ist. Das Video setzt die Gründung von Archon auf 2014 an, also mitten in die Zeit der offenen Kampagnen. Branchenprofile und Firmenverzeichnisse nennen dagegen Ende 2016 bis Anfang 2017. Erklären ließe sich die Lücke damit, dass unter dem Namen Archon mehrere Gesellschaften eingetragen sind, darunter eine „Archon Sp. z o.o.“ und eine „Archon Studio Sp. z o.o.“. Welche davon jeweils gemeint ist, sagt das Video nicht. Wer eine These auf eine Jahreszahl stützt, sollte diese Jahreszahl belegen können.

Archon hat sich dazu öffentlich nicht geäußert. Kein Statement auf der Firmenseite, keine Antwort in den offiziellen Kanälen, und im AMA vom 29. Juli kam das Thema nicht vor (das Video erschien einen Tag später). Ob Schweigen hier Strategie oder Überlastung ist, kann ich nicht beurteilen.

Der Belastungstest läuft gerade

In der Aufregung überspringen fast alle den Teil, der aktuell messbar ist. Beim StarCraft TMG sieht die Bilanz nämlich anders aus als damals.

Archon hat im Versand-Update vom 29. Juli etwas getan, das Prodos nie getan hat: Containernummern veröffentlicht. TLLU5189444, TGBU9878754, GAOU7399172 und weitere für die USA, MRSU9670566 und GCXU5707513 für Kanada. Wer will, kann die Kästen bei der Reederei selbst nachverfolgen. Dazu die Fulfillment-Partner mit Namen, Miniature Market für die USA, Fuze und Dark Archon für Großbritannien, Lightspeed Global für Kanada, Lets Play Games für Australien und Neuseeland. Nach Ewertowskis eigener Rechnung im AMA halten „almost 10.000 people“ ihre Pakete bereits in den Händen, und am 1. August verließ das letzte Paket der ersten Welle das Lager.

Das ist keine Firma, die abtaucht. Das ist eine Firma, die spät liefert und dabei mitzählt.

Zwei Flanken bleiben trotzdem offen, und beide lassen sich heute nachsehen. Der Einzelhandelskanal ist noch nicht angekommen: Miniature Market listet das Two-Player Starter Set (Founders Edition) weiterhin als Vorbestellung, 204,99 Dollar statt 229, „Estimated Release Date: August 2026″, ausgeliefert wird nicht. Archons eigener Vorbestell-Bereich im Shop meldet unverändert „No products found in this category“, worüber wir vorgestern schon berichtet haben. Die für August angekündigte Psi-Welle mit Tassadar, Zagara, Nova und Defiler hat bis jetzt keine kaufbare Seite.

Meine Lagebeurteilung: Die Vergangenheit ist ein Grund, genau hinzusehen, aber sie ist kein Urteil über die Gegenwart. Was Prodos nach 2013 gemacht hat, hat Archon 2026 bisher nicht wiederholt. Welle eins ist raus, verspätet, aber raus, mit nachvollziehbarer Dokumentation. Der eigentliche Prüfstein ist Welle zwei. Die Spritzgussrahmen sind laut Ewertowski fertig, diesmal soll Ware im Lager liegen, bevor der Versand startet. Wenn das hält, ist die Debatte in drei Monaten erledigt. Rutscht Welle zwei und schweigt der Shop weiter, bekommt das Video rückwirkend recht, ohne je etwas beweisen zu müssen.

Am meisten stört mich an der ganzen Sache etwas anderes. Archon hätte diese Geschichte selbst erzählen können. Ein Absatz über die Herkunft der Fabrik, ein Satz dazu, was aus den alten Kampagnen wurde, irgendwann in den letzten anderthalb Jahren. Stattdessen erzählt sie jetzt jemand anders, in einer Fassung, die das Studio nicht kontrolliert.

Wie haltet ihr es, Kommandanten? Zählt für euch die Firmenhistorie, oder zählt nur, ob der Karton ankommt?

Quellen

„Investigating Archon Studios hidden past“ (YouTube, 30. Juli 2026)
SpikeyBits: After StarCraft Game Issues, Video Exposes Archon Studios Hidden Past
Kicktraq: Alien vs Predator The Miniatures Game (Prodos Games)
Kickstarter: Mutant Chronicles Warzone Resurrection
StarCraft TMG: Pre-Orders Shipping Update, Juli 2026
Miniature Market: Two-Player Starter Set (Founders Edition)

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