Vier Spieler, drei Runden, ein Kommandant mit 116 Modellen auf dem Tisch. Und danach schreibt genau dieser Kommandant, dass die Einheit, um die er seine ganze Liste gebaut hat, zu teuer ist.
Das StarCraft-Turnier beim Goonhammer Open 2026 in Baltimore war klein, das haben wir hier schon festgehalten. Inzwischen liegt der zweite Bericht dazu vor. Der kommt diesmal nicht vom Veranstalter, sondern vom Sieger. Er schreibt unter dem Namen Pox, steht seit rund zwanzig Jahren an Tabletop-Tischen und hat sich für dieses Wochenende ausgerechnet das ausgesucht, was im TTS-Discord der Szene als Ausschussware gilt: Swarmlings. Gleich zwei Trupps davon.
Ein Protoss, zwei Terraner, ein Zerg. Pox ging mit 3:0 und Pokal nach Hause.
Die Rechnung, die auf dem Papier nicht aufgeht
Warum die Community den Swarmling links liegen lässt, passt in zwei Zeilen. Achtzehn Swarmlings kosten 260 Punkte, bringen ein Supply mit und lassen sich überhaupt nicht aufwerten. Achtzehn normale Zerglinge kosten 250 Punkte, bringen zwei Supply und tragen zwei der drei möglichen Upgrades.
Zehn Punkte mehr für die schwächeren Werte, ohne jeden Ausbaupfad. Pox macht daraus kein Geheimnis. Seine Begründung für den Kauf fällt entsprechend trocken aus: Er findet die Dinger cool. Das war der ganze Grund, alles andere in der Liste kam danach.
Und was danach kam, war viel. Kerrigans Schwarm als Fraktionskarte, ein Omega Worm, 18 Raptors mit Adrenal Glands und Shredding Claws, dazu dreimal 18 Zerglinge mit denselben Upgrades, eine Queen. Macht 114 Zergling-Varianten plus zwei Stützeinheiten.

Wo der Schwarm trotzdem beisst
Eine schwache Einheit stark zu spielen, heisst hier: alles andere nach ihr ausrichten. Pox hat genau das getan. Zwei Evolution Chambers für Carapace, also Tough (1) auf den Rüstungswurf. Malignant Creep, weil sich mit ausgebreitetem Creep drei statt zwei gefallene Modelle nachziehen lassen. Eine Queen, die bis zu zwei Schaden aus einem Schadenspool schluckt. Die Hatchery liefert Lie in Wait und schickt eine unbedrängte Einheit in den Boden.
Dazu die passende Mission. Divide and Conquer startet mit acht Supply statt der üblichen sechs und läuft dafür nur vier Runden. Ein Swarmling-Trupp verliert erst Supply, wenn zwölf Modelle gefallen sind. Wer so eine Einheit auf ein Objective setzt und sie dort eingräbt, stellt den Gegner vor eine unangenehme Wahl: konzentriertes Feuer abziehen oder Punkte liegen lassen.
Genau so lief Spiel zwei gegen die Protoss. Trupp auf das obere linke Objective, Queen dahinter, eingegraben, warten. Die Partie endete vorzeitig, weil Pox auf die zwölf Siegpunkte für die Sonderbedingung zulief.
Spiel drei sah anders aus. Der zweite Terraner igelte sich mit zwei Goliaths, Marines und Medics in der Tischmitte ein und schoss alles zusammen, was sich näherte. Swarmlings fielen reihenweise, Kerrigans Raptors mussten für einen riskanten Zug geopfert werden. Der schönste Moment kam in der letzten Runde: Pox setzte den zuvor zerstörten Omega Worm neu ein, nicht um Einheiten auszuspucken, sondern damit sein Sechs-Zoll-Creep-Radius alle sturmbereiten Zerglinge gleichzeitig abdeckte. Plus eins auf den Impact-Wurf für den gesamten Angriff. Der Sieg stand am Ende auf Messers Schneide.
Der Regelfehler, der es nicht bis auf den Tisch geschafft hat
Ein Detail aus dem Bericht gehört in jede Listenbau-Checkliste. Ob und wie sich Fähigkeiten wie Precision stapeln lassen, erklären wir in unserem Regeln-Guide. Die Redaktion schiebt dazu eine Anmerkung nach: Der Fehler fiel vor der ersten Partie auf, gespielt wurde sauber.
Solche Stolperstellen sind der Normalzustand bei einem System, das seit dem 31. März 2026 im Handel steht und noch kein FAQ mit Datum hat. Wer seine erste Liste baut, prüft jede Fähigkeit besser einmal gegen den Wortlaut, statt sich auf Analogien aus anderen Spielen zu verlassen.
Handfest wird der Bericht auch beim Material. Modelle hatte am Turniertag kaum jemand in der Hand, also liessen die Organisatoren 3D-Drucke zu. Pox brachte 18 bemalte Raptors mit, die er von der Adepticon hatte, und holte den Rest aus dem Drucker: 96 Zerg-Silhouetten in unterschiedlichen Farben, damit auf dem Tisch überhaupt zu erkennen war, welcher Trupp welcher ist. Blau waren die Swarmlings, lila die Zerglinge, rot Kerrigans Raptors. Ein Foto vom ganzen Wochenende, mehr hat er nicht gemacht (er hatte zu viel Spass, schreibt er). Alle Tische trugen dieselbe Geländeaufstellung, und das hält er für den Punkt, den kommende Events als Erstes besser machen sollten.
Meine Lagebeurteilung: Der Titel des Berichts fragt nach dem neuen Meta, die Antwort im letzten Absatz lautet nein, und das ist die ehrlichste Zeile des ganzen Textes. Ein 3:0 bei vier Teilnehmern ist keine Statistik. Der Wert liegt woanders, nämlich in der ersten konkreten Punkterechnung zu einer Einheit dieses Spiels, aufgeschrieben von jemandem, der sie über drei Partien wirklich gespielt hat.
Pox selbst rechnet damit, dass sich die Frage bald von allein erledigt. Sobald Siege Tank, Psi-Sturm und Firebats mit ihren Flächenangriffen anrücken, schrumpft der Wert einer Einheit, die vom Nachwachsen lebt. Seine Prognose für den eigenen Schwarm nach dem Wave-2-Start fällt entsprechend knapp aus: zerlegt.
Wie haltet ihr es mit den Swarmlings, Kommandanten? Zehn Punkte Nachlass, und der Trupp landet auf eurer Liste? Oder bleiben die Kleinen auch dann im Karton?
Quellen
Tabletop Battles: StarCraft TMG: Swarmlings the New Meta? GHO 2026 StarCraft Battle Report (18. August 2026)
Tabletop Battles: StarCraft: Tabletop Miniatures Game at the Goonhammer Open 2026
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